Leserbrief zum Artikel "Kommt bald der Bahnhof für Ramelsloh?"

Sehr geehrte Redaktion,

 

Sie schreiben in Ihrem Artikel zum Thema Reaktivierung von Nahverkehrsstrecken, dass es für die Strecke Buchholz-Maschen gut aussehen würde. Winsen-Soltau dagegen deutlich abfallen würde. Ich habe zusammen mit Holger Mayer vom BUND e.V., der das Thema Reaktivierung von Nahverkehrsstrecken am Beispiel Winsen-Soltau im Landkreis Harburg überhaupt bekannt gemacht hat, selbst an Vorbereitungssitzungen zur Abstimmung der Kriterien einer Streckenauswahl in Hannover mitgearbeitet und muss leider sagen, dass sie hier ein falsches Bild vermitteln.

 

Gerade die Strecke Jesteburg-Buschholz schwächest in wesentlichen Kriterien.

 

So existiert für Pendler aus dem Raum Jesteburg und südlich davon eine vergleichsweise nahe Anbindung an die Metropolregion über den Bahnhof Buchholz. Ramelsloh und der Raum nördlich davon ist über Maschen gut angebunden. Es gibt als Negativfaktor also eine Konkurrenzsituation zu existierenden ÖPNV-Angeboten auf der Schiene. Auch könnten existierende Busverbindungen nicht ersetzt werden, dazu verläuft die Strecke quer zu diesen. Richtig problematisch wird es dann, wenn man die Idee eine S-Bahn  nach Tostest mit ein zu beziehen, die dann in direkter Konkurrenz zur Strecke Buchholz-Maschen steht und diese fahrgastzahlenmässig kanibalisieren würde. Hier rechnet sich eine Reaktivierung überhaupt nicht mehr.

 

Für Winsen-Soltau sieht dies ganz anders aus. Hier steht die Strecke in direkter Konkurrenz zur A 7 und damit erhöht sich deutlich der Pendlerwirkungsgrad. Eine Konkurrenzsituation zur Schiene existiert nicht. Und da die Bahn fast alle Orte im Raum anfährt und analog Buslinien existieren, könnten diese alternativ ersetzt werden.

 

Mit der Strecke Winsen-Soltau hingegen würden Touristische Gebiete per Schiene neu erschlossen. Ob dies als Heideorte Egestrof oder Döhle sind, ob das Luhmühlen mit seinem Reitsportzentrum AZL oder ausserhalb des Landkreises Bispingen ist. Hier biete ein ÖPNV-Ausbau der Schiene für touristische Entwicklung überdurchschnittliche Potentiale.

Abschließend noch ein paar Worte zur aktuellen Streckensituation. Die heute stark durch Güterverkehr befahrene Strecke Buchholz-Maschen wird nur sehr schwierig ÖPNV-Verkehr aufnehmen können, da durch die unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Vertaktungen der Güterverkehre durch den ÖPNV stark behindert wird und umgekehrt. Um dies zu lösen, wäre mindestens ein, eher zwei Kreuzungsbahnhöfe notwendig. Diese müssten einerseits erst einmal planfestgestellt werden und würden dann aufgrund der hohen Lärmbelastung durch diese wohl kaum auf Gegenliebe der Anwohner treffen. wo dann die verdrängten Güterzüge fahren sollen, steht darüber hinaus dann noch in den Sternen. Auch würde ÖPNV-Verkehr in Maschen regelmäßig den Güterverkehr im Bahnhof Maschen stören, muss er doch diesen komplett queren um zum Personengleis zu kommen.

 

Auf der Strecke Winsen-Soltau hin gegen sieht es ganz anders aus,. Hier findet wenig Verkehr statt, die Strecke wurde aber in den letzten Jahren sukzessive ausgebaut. Bahnhöfe müssten sicher modernisiert werden, hierfür ist aber  keine Planfeststellung nötig. Und die Bahnhofseinbindung in Winsen ist geradezu optimal. Man endet in einem eigenen Gleis, steigt aus und steigt im Nachbargleis in den Metronom. Besser geht es nicht!

 

Es spricht also fachlich alles für eine Strecke Winsen-Soltau. und wenig für Buchholz-Maschen.

 

Aber im Endeffekt wird wahrscheinlich die Chance im Landkreis ohnehin verspielt werden, weil sich die relevanten politischen Gruppen bedeckt halten und lieber keinen Erfolg sähen. Das sind dann vergebene Chancen auch für die lokale Wirtschaft, die sich bei einer nächsten Kommunalwahl sicher rächen werden.