In der Pressemitteilung vom 27.1.2015 haben die BI's, die am Dialogforum "Schiene Nord" teilnehmen, einen Forderungskatalog für das Dialogforum präsentiert. In dieser heißt es: "In der Sache waren sich die Initiativen nach lebhafter und konstruktiver Debatte mehrheitlich einig,".   Das Forum Pro Lebensqualität e.V. hat sich aus verschiedenen Gründen gegen die in der Pressemitteilung dargelegten Forderungen entschieden und unterstützt diese in dieser Form nicht. Nachfolgend wollen wir anhand relevanter Textausschnitte erklären, warum.

Pressemitteilungstext Position Forum Pro Lebensqualität e.V.
  Sollte sich ein Bedarf an zusätzlichem Zugverkehr herausstellen, muss der Grundsatz gelten „Ausbau vor Neubau“. Hieran anknüpfend wird die zwingende Forderung erhoben, an den Ausbaustrecken optimalen und qualifizierten Emissionsschutz zu realisieren.  Aus Sicht des Forums Pro Lebensqualität fehlt hier eine Beschränkung auf die Hauptstrecken. So, wie die Forderung heute formuliert ist, könnte man daraus unter anderem auch einen Ausbau hinsichtlich eines erweiterten Güterverkehrs (Hafenhinterland) auf der OHE-Strecke von Winsen nach Soltau oder der Heidebahn von Buchholz nach Soltau ableiten. Gegen diese Ausbauvarianten, die schon 2008 im Rahmen der DLR-Studie einmal in der Diskussion waren, hat  das Forum Pro Lebensqualität immer gekämpft. Insofern hätte hier entweder eine Beschränkung oder ein Ausschluß formuliert werden müssen.
Für die Beurteilung der einzelnen Planungsvarianten muss als erstes Kriterium stehen, in wieweit die Knotenpunkte Hamburg, Bremen und Hannover deutlich entlastet werden. Dies muss ein Ausschlusskriterium im gesamten Verfahren sein. Hierbei betonen die Bürgerinitiativen bereits heute, dass nach überschlägiger Prüfung alle von der Bahn vorgeschlagenen Neubaustrecken entweder zu keiner bzw. nur zu einer geringen Entlastung der Knotenpunkte führen. So, wie diese Forderung als primäres Entscheidungskriterium für eine Alternativlösung zur Y-Trasse formuliert ist, gibt es unter den z.Z. in Diskussion befindlichen Varianten genau eine, die dieses Kriterium erfüllt - die Breimeierlinie vom Hafen über Buchholz , Brackel nach Lüneburg und weiter nach Wittenberg. Diese Trasse ist für uns undenkbar und mit uns nicht zu machen. Deshalb können wir diese Forderung nicht nur nicht unterschreiben, wir wundern uns, daß das Bürgerbündnis Nordheide diese Forderung unterstützt.
Die Bürgervertreter fordern des Weiteren eine Finanzierung von unabhängigen und fachlich auf hohem Niveau stehenden Gutachterwissen aus Planungsmitteln, denn die Themen sind komplex und miteinander verschachtelt, so dass die BIs gegenüber der Bahn, den Ministerien und Lobbyisten der Wirtschaft unterlegen sind – denn diese sind mit Heerscharen von Experten und Rechtsbeiständen umgeben  Schon auf dem ersten Treffen der BI's hat das Forum Pro Lebensqualität e.V. deutlich gemacht, dass es diese Position aus zwei Gründen nicht mitträgt:
  • Zum einen hat das Forum schon immer auf eigene Kräfte gesetzt. Wir haben in den letzten Jahren verschiedentlich beobachten können, dass Berater und Gutachter, auch wenn vermeintlich neutral, doch immer vom Zahlenden abhängig waren. Wer zahlt bestimmt die Inhalte und Ergebnisse eines Gutachtens. Insofern ist für uns ein vom Land bezahlter Gutachter in keiner weise unabhängig und damit wenig hilfreich. 
  • Des weiteren finden wir es schon merkwürdig, einerseits Alternativen zur Y-Trasse vorzuschlagen und gleichzeitig zuzugeben zu müssen, dass die eigenen fachlichen Fähigkeiten eigentlich nicht ausreichen. Wir als Forum Pro Lebensqualität e.V. haben immer darauf gesetzt ,innerhalb dieses Forums vorhandene Fachkapazitäten effizient einzusetzen und so qualitativ hochwertige Ergebnisse zu erzielen. Das werden wir auch in Zukunft so halten.

Abschliessend sehen wir die Selbstwahrnehmung der Erfolge der BI's als problematisch an. Ende Oktober 2014 hatten die BI's gefordert, die einfache Mehrheit der Sitze im Dialogforum "Schiene Nord" zu erhalten. Aus geforderten 51% sind heute 17% geworden. Das ist kein Erfolg. Wir sollten hier bei den Fakten bleiben und uns die Ergebnisse nicht schön reden - sonst feiern wir in einem Jahr Lärmschutzwände an einer Neubaustrecke als Erfolg.

Forum Pro Lebensqualität - 28.1.2015